Wenn der Himmel sich öffnet, ist Gott Mensch geworden …

Der stärkste Beweis von Gottes Liebe ist seine Menschwerdung in Jesus von Nazareth. Gott zum Anfassen nahe! Hier auf dieser Erde steht Gott mit seinem Leben und mit seinem eigenen Leib für eine radikale Barmherzigkeit ein. In seiner Zuwendung, Zuneigung und Verkündigung offenbart er, wie Gott den Menschen zugewandt ist. Obgleich Jesus will, dass alle das Reich Gottes annehmen und aus der Dunkelheit gerettet werden, muss er das Scheitern seiner Absicht erleben – einsam, verlassen, dunkel, gezeichnet von Schmerz und Leid. Am Kreuz hält die Welt den Atem an: Wird nun Gott die Welt, die sie seine Barmherzigkeit nicht angenommen hat, endgültig in den Abgrund stürzen lassen, oder ist seine Barmherzigkeit so gross, dass sie auch diesen Abgrund des menschlichen Neins zu Gott überwindet? Hierin liegt die Heilsbedeutung des Kreuzes, denn vom Kreuz her betet Jesus zum Vater, dass er den Gegnern vergeben möge. Im Scheitern scheitert das Erlösungswerk gerade nicht, sondern offenbart darin den unendlichen Horizont der unbedingten Liebe Gottes auch denen gegenüber, die ihn zum Scheitern bringen: den Feinden, den Tätern, den Sündern und Sünderinnen – und das sind immer wieder auch die Gläubigen selbst. Darum lehrt Jesus seine Jünger beten: „Vater unser im Himmel, … , vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Jesus schliesst in diesem Gebet beide mit ein: Die Täter und die Opfer. Beide sind in seinem Blickfeld, beide sind in seinem Herzensfeld. Zu welchen gehörst du? Seine Barmherzigkeit geht zu den Opfern und zu den Tätern: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Gottes Barmherzigkeit zeigt sich im Erbarmen zu allen! Im Angesicht solcher Zuwendung, Barmherzigkeit und Liebe werde ich sprachlos und mein Herz blüht auf – Gott entgegen!

Wenn der Himmel über dir ist und der Dornbusch brennt …

Die Erde ist randvoll mit Himmel und in jedem gewöhnlichen Busch brennt Gott. Elizabeth Barrett Browning

Gott begegnet Mose in der Wüste beim Schafe hüten – völlig unerwartet, in einem gewöhnlichen Busch – in einem Dornbusch, der Feuer fängt, was damals (bei dieser Hitze) auch nicht aussergewöhnlich gewesen ist. Das Aussergewöhnliche ist: Der Dornbusch brennt, aber er verbrennt nicht. Das weckt die Neugier von Mose und nun ruft Gott aus dem Dornbusch (Gott wohnt in einem gewöhnlichen Dornbusch): „Mose, Mose!“ Direkt und persönlich. Und er stellt sich gleich noch vor: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ Wie beruhigend für Mose. Dieser Gott ist auch der Gott seines Vaters! Das vermittelt Vertrauen und Sicherheit. Mose möchte auch den Namen dieses Gottes kennenlernen („wie ist deine Name?“). Er stellt sich vor mit Jahwe – das ist sein Name. In den griechischen Übersetzungen steht Kyrios und das heisst auf Deutsch HERR. Aber Jahwe kannst du weder in einem Wort ins Griechische noch ins Deutsch übersetzen. Jahwe ist ein Beziehungswort und bedeutet: „Ich bin immer für dich da!“ Das ist volles Evangelium (frohe Botschaft): Die Bedeutung von Jahwe ist nicht autoritär, nicht angsterzeugend, nicht einschüchternd, sondern zuwendungsorientiert! Das Verblüffende auch an Jesus ist seine Zuwendungslust und seine Zuwendungskraft! Und das Typische an Jahwe ist die Zuwendungslust und die Zuwendungskraft. Und sie geht in die Vergangenheit: „Ich bin immer für dich da gewesen!“. Sie geht in die Zukunft: „Ich werde immer für dich da sein!“ Und sie gilt in der Gegenwart: „Ich bin immer für dich da!“ Was für ein Gott!

Anmerkung: Im brennenden Dornbusch begegnete Gott dem Mose, um ihm den Auftrag zu erteilen, das Volk Israel aus seiner Sklaverei in Ägypten zu führen. Wenn du so einen Auftrag erhältst, dann brauchst du die Gewissheit, dass Gott immer für dich da ist!