Hoffnung für alle?

Wie entsteht Glaube? Was hoffen wir? Wie viel vermag die Liebe?

Eine These: Der Glaube ist eine Wirkung der Liebe Gottes und macht der Hoffnung Platz, dass die unbedingte Liebe schlussendlich auch dort ihr Ziel erreicht, wo es nach menschlichem Ermessen unmöglich erscheint. Entsprechend den Worten von Jesus: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich!“

Wilfried Härle, evangelischer Theologe, schreibt dazu in seinem Buch ‚Dogmatik‘ (das Buch, die vierte Auflage, hat 745 Seiten – es lohnt sich also auch den Kontext zu lesen) 😉

„Liebe ist ihrem Wesen nach nicht gewalttätig oder nötigend. Wo die Liebe ihrem Wesen nach zur Geltung kommt, da lässt sie Raum – sogar für den schmerzlichen Widerstand, für die Verweigerung und Abkehr. Andererseits gibt es gar nichts Gewinnenderes als Liebe. Reine Liebe, d.h. göttliche Liebe – als Zuwendung zum geliebten Gegenüber um seines Bestes willen – ist letztendlich für das geliebte Gegenüber unwiderstehlich. Aber sie ist das nicht, weil sie zwingt oder unterwirft, sondern weil sie das Gegenüber gewinnt. Aber dies gilt nur ,letztendlich‘ – nicht automatisch und hier und jetzt. Man kann dieses ,letztendlich‘ in einem futurischen Sinn verstehen, und dann besagt es, dass schliesslich und endlich jeder Mensch sich von der göttlichen Erwählung erreichen, gewinnen und aus seiner Selbstverschlossenheit herauslieben lassen wird. Die Gewissheit der Unwiderstehlichkeit der göttlichen Erwählung ist nicht zu verwechseln mit Zwang, Nötigung oder Fremdbestimmung, sondern die zu denken ist als die innere Kraft und Ausstrahlung der göttlichen Liebe, die ihr Ziel erreicht, indem sie Menschen nicht besiegt, sondern (für die Liebe) gewinnt.“