Reduce to the max …

… oder von der Kunst das Wesentliche auf den Punkt zu bringen.

Jesus wird von einem Juden gefragt, welches das wichtigste Gebot sei (es gibt mehr als 600 Gebote im Judentum). Wie wird Jesus antworten? Welches Gebot stellt er an den Anfang? Keines! Jesus macht etwas ganz anders. Er bringt das Wesentliche der vielen Gebote auf einen Punkt. Er konzentriert sich auf das Übergeordnete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken! Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ein weiteres ist genauso wichtig: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten gründen sich auf diese beiden Gebote.“ Matthäus 22,37-40.

Wow! Jesus legt in ein paar Sekunden die Ethik (den Leitstern, den Leitgedanken) der Gebote auf den Tisch. An einer anderen Stelle fasst Jesus die gesamte Botschaft der Propheten und des Gesetzes in einem Satz zusammen: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch. Denn das ist die Botschaft des Gesetzes und der Propheten.“ Matthäus 7,12

Paulus, einer seiner Nachfolger, folgt ihm auch in diesem Prinzip nach: „Ihr kennt die Gebote: Brich nicht die Ehe, morde nicht, beraube niemand, blicke nicht begehrlich auf das, was anderen gehört. Diese Gebote und alle anderen sind in dem einen Satz zusammengefasst: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Wer liebt, fügt seinem Mitmenschen nichts Böses zu. Also wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.“ Römer 13,9-10

Wer die Ethik versteht, kann daraus die Moral ableiten. Wer das Übergeordnete versteht, bekommt einen anderen Blick auf das Untergeordnete. Augustinus, der Kirchenvater, hat das in allerkühnster Weise formuliert: „Liebe und tu, was du willst.“ Das heisst mit anderen Worten: „Tue das, was der Liebe entspricht.“ Daraus ergibt sich eine neue Fragestellung: Was entspricht der Liebe? Die Antwort auf diese Frage kann je nach Zeit, Kultur, Gesellschaft und Situation unterschiedlich aussehen.

Im Judentum vor hunderten von Jahren oder im Alten Testament hätte eine Frau nicht gewollt, dass man sie öffentlich anspricht. Hätte man das gemacht, hätte man sie gegrüsst oder hätte man mit ihr einen Schwatz gehalten, dann wäre das lieblos gewesen. Das macht man nicht. Wenn ich das heute mache, sie ignoriere, wäre das überhaupt nicht liebevoll.

Die Ethik, welche über allen Geboten steht, orientiert sich am Leben Jesu, wie er mit den Menschen umgegangen ist, an seinem Handeln, an seinem Heilen, an seinen Worten über die Liebe, über das Erbarmen, über die Güte, über die Vergebung oder wie Paulus die Liebe beschreibt im Hohelied der Liebe (1. Korinther 13). Das gibt uns schon eine klare Vorstellung, was Liebe ist. So gesehen ist die Liebe das wichtigste ethische Prinzip.

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