Passionszeit

„Sie ist schrecklich, diese Passion, da sie alle Sünden ausbüsst, die Hölle umgreift, jede mögliche Schuld umfasst, dieser zuvorzukommen ihr Wesen ist. Gäbe es nur einen einzigen Verdammten, so könnte das Herz des Erlösers in seinem Liebesdrang über die noch zu kleine Schar der Auserwählten klagen: Der gute Hirte denkt einzig an sein verlorenes Schaf.“ (Maurice Bondel).

In diesen wenigen Sätzen von Bondel spüren wir bereits das Ringen, die Intensität und Dringlichkeit der Liebe Gottes. Wir Menschen bringen es fertig die Hölle zu erschaffen, doch Jesus Christus weicht ihr nicht aus, sondern steigt am Karsamstag selbst hinunter zu den Verlorensten: Er ohne Sünde ist an die Seite der letzten Sünderinnen und Sünder in die dunkelste Tiefe abgestiegen, um ihnen erfahrbar zu machen, dass auch der verlorenste Mensch noch von Christi Solidarität überholt wird.

Johannes B. Brantschen beschreibt es so in seinem Buch ‚Leben vor und nach dem Tod‘: „Gott hat seinen gekreuzigten Sohn an den Ort der absoluten Gottesferne geschickt, um auch noch jenen Menschen, die Gott den Rücken gekehrt haben, nahe zu sein und sie zu gewinnen. Uns Menschen gelingt es oft nicht, die Herzen gefährlicher Gesetzesbrecher zu gewinnen. Folglich bleibt uns – schon aus Sicherheitsgründen – oft keine andere Möglichkeit, als die Übeltäter einzusperren – oft ein Leben lang. Das ist der leichte Weg. Gott aber ist Gott und kein Mensch. Die wahre Macht zeigt sich nicht in der Einkerkerung oder Vernichtung des Gegners, sondern in seiner freien Gewinnung in einem schwierigen Prozess der Versöhnung. Denken wir nicht allzu menschlich von Gott, wenn wir ihm diese Macht nicht zutrauen? Muss vor dem göttlichen Gott unsere Hoffnung nicht ganz offen bleiben, muss sie nicht alle einbeziehen, weil sich Gott aller erbarmen will?“ (Römer 11,32)

Da bleibt tatsächlich kein Eigenverdienst und folglich auch kein Eigenruhm. Auch seines Glaubens kann sich niemand rühmen, auch dieser wird aus Gott geboren.

Gott will, dass allen Menschen geholfen wird, dass alle gerettet werden (1. Tim. 2,4) und Jesus lehrt uns im ‚Vater unser‘ beten: Dein Wille geschehe. Das lässt uns ahnen, wie viel bei Gott möglich ist.

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