Schönheit und Liebe

Der russische Dichter Fjodor M. Dostojewskij war überzeugt, dass die Welt von der Schönheit gerettet wird. In seinem Roman „Der Idiot“ fragt der Atheist Ippolit den Fürsten Myschkin, ob es wahr sei, dass die die Schönheit die Welt erlösen werde. Ippolit hingegen behauptet, dass der Fürst „auf so sinnige Gedanken bloss kommt, weil er verliebt ist“.

In den Augen des russischen Dichters hat der Atheist, ohne es zu wollen und sogar ohne sich dessen bewusst zu sein, die einzig richtige Antwort auf die Frage gegeben, welche Schönheit die Welt retten wird: Die Schönheit, die die Kraft hat, die Welt zu retten und zu erlösen, ist allein die Liebe – freilich nicht irgendeine Liebe, sondern die Liebe Gottes zu uns Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung. Denn das Erlöst-Werden geschieht im Geliebt-Werden. Im Geliebt-Werden kann sich lösen, was zuvor ‚gebunden‘ war.

Was gibt es Schöneres als die Liebe? Geliebt zu werden, darauf zu antworten und dieses Schöne tief in sich aufzunehmen und weiterzutragen?!

Angst und Vertrauen

Es gibt extrem viele und gute Gründe Angst zu haben. Fast alles ist unsicher. Die Lösung ist nie: Es gibt keinen Grund Angst zu haben. Vertrauen ist nicht das Gegenteil von Angst. Vertrauen ist die Bereitschaft, die Angst zu ertragen, der Angst nicht auszuweichen. Vertrauen ist die Bereitschaft zur Angst. Vertrauen ist die Unsicherheit zu akzeptieren. Vertrauen ist ein Leben jenseits mathematischer Berechenbarkeit. Vertrauen bedeutet Schritte tun, bei denen du nicht durchrechnen kannst, was alles daraus folgen wird. Vertrauen ist nicht das Gegenteil von Angst, sondern leben trotz Angst, mit Angst, in Angst, aber im Bewusstsein, dass das Vertrauen, der Mut, die Zuversicht das entscheidend Grössere und Tragende ist.

Es geht also darum, die Angst ins Vertrauen zu integrieren. Wenn Gott sich auf dich einlässt und sich in deine Hände gibt, dann kannst du dich mit all deiner Angst in diese Liebe hinein bergen, dass du die Angst nicht verdrängen oder wegwünschen musst. Du weisst dich mit dieser Angst in einem letzten Vertrauen geborgen, indem du dich nicht sichern kannst. Gott ist nicht etwas zum Packen oder Greifen. Er ist nicht etwas Endliches. In ihm begegnet uns der Unendliche. Gott ist der Gott, von dem Jesus Mensch wird und dir in bedingungsloser Liebe entgegentritt.

Wenn Veränderung geschieht …

Aus dem Buch von Anthony de Mello, Warum der Vogel singt: „Jahrelang war ich neurotisch. Ich war ängstlich, depressiv und selbstsüchtig. Und jeder sagte mir immer wieder, wie neurotisch ich sei. Ich wollte mich ändern, aber ich brachte es nicht fertig, so sehr ich mich auch bemühte. Was mich am meisten schmerzte, war, dass mein bester Freund mir auch immer wieder sagte, wie neurotisch ich sei. Auch er wiederholte immer wieder, ich sollte mich ändern. Auch ihm pflichtete ich bei. Ich fühlte mich so machtlos und gefangen. Dann sagte er eines Tages: „Ändere dich nicht. Bleib, wie du bist. Es ist wirklich nicht wichtig, ob du dich änderst oder nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es nun einmal.“ Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren: „Ändere dich nicht, ändere dich nicht … ich liebe dich.“ Ich entspannte mich, ich wurde lebendig, und Wunder über Wunder, ich änderte mich! Jetzt weiss ich, dass ich mich nicht wirklich ändern konnte, bis ich jemanden fand, der mich liebte, ob ich mich nun änderte oder nicht … .“

Die Liebe verändert, weil sie etwas im Herzen weckt, was selbst Liebe ist. Liebe ist Begegnung zwischen einem Liebenden und einem Geliebten.

Karin Seethaler schreibt dazu in ihrem Buch ‚Die Kraft der Kontemplation. In der Stille Heilung finden.‘ © Echter Verlag, Würzburg, 4. Auflage 2019

„In der Beziehung zu Gott geht es nicht um eine psychologische Defizitbeseitigung oder darum, dass ich es schaffe, mich selbst zu verändern, um ein besserer Mensch zu werden. Es geht um die Erfahrung, dass ich so, wie ich bin, bereits jetzt und unabhängig von meinem aktuellen Leistungsvermögen und meiner augenblicklichen Befindlichkeit, von Gott bejaht, angenommen und zutiefst geliebt bin. Indem ich mich Gott zuwende, so wie ich bin, vertraue ich mich bereits dieser Zusage Gottes an, auch wenn es im Unbewussten noch Blockaden gibt, die es mir erschweren zu glauben, dass Gott mich liebt, so wie ich bin, mit all meinen Schattenseiten. Die ersehnte Wandlung in mir geschieht, indem ich all das da sein lasse, was ich gerne am mir ändern würde. Ich wende mich also zu Gott, so wie ich bin.“

Ich wende mich zu Gott, so wie ich bin und lasse mich von ihm wandeln. Der Geliebte wendet sich an den Liebenden. Das ist kein Kraftakt, sondern ein leises, sanftes Beziehungsgeschehen. Es geschieht etwas an mir und mit mir, das ich nicht selber produzieren kann und muss. Auch der Zeitpunkt liegt nicht in meinen Händen, wann und wie etwas geschieht. Doch wenn es geschieht, dann weiss ich, dass etwas Wunderbares an mir geschehen ist.

Wenn alles offen liegt …

Der Schriftsteller Heinrich Zschokke (gest. 1848) hatte eine eigentümliche Gabe. Dann und wann, wenn er einem fremden Menschen ins Angesicht sah, enthüllte sich ihm wie durch ein zweites Gesicht die Vergangenheit dieses Menschen. Eines Tages kehrte dieser Mann im Gasthof zum Rebstock in Waldshut ein, wo zwei Fremde sich eben über Eigentümlichkeiten der Schweizer lustig machten. Ein junger Mann, der ihm gegenüber sass, trieb den ausgelassensten Witz. Da erwachte in Zschokke die Gabe des inneren Gesichts, also dass das Leben dieses jungen Mannes an ihm vorüberging. Nun wandte sich Zschokke an ihn mit der Frage, ob er ihm ehrlich antworten werde, wenn er ihm das Geheimste aus seinem Leben mitteilen würde, obwohl er ihn noch niemals gesehen habe. Jener versprach es. Und nun erzählte Zschokke, was er innerlich gesehen hatte und die ganze Tischgesellschaft erfuhr die Geschichte des jungen Kaufmanns, seiner Lehrjahre, seiner kleinen Verirrungen und eine von ihm begangene Verfehlung an der Kasse seines Meisters.

Er beschrieb ihm auch das unbewohnte Zimmer mit geweissten Wänden, wo rechts von der braunen Tür auf einem Tisch der schwarze Geldkasten gestanden habe. Es herrschte bei der Erzählung in der Gesellschaft Totenstille. Nur manchmal unterbrach sich Zschokke mit der Frage, ob er die Wahrheit rede. Voller Entsetzen bestätigte der junge Kaufmann jeden Umstand, sogar jenen Diebstahl.

Warum konnte er die Wahrheit vor der versammelten Tischgemeinschaft ‚ohne weiteres‘ eingestehen? Er nahm wohl innerlich wahr, dass Zschokke es gut mit ihm meint, dass er ihn nicht blossstellen, sondern heilsam weiterführen wollte.

Wenn schon einem gewöhnlichen Menschen wie diesem Schriftsteller gelegentlich solch ein wunderbares Wissen um andere gegeben war, wer will daran zweifeln, dass dies im höchsten Masse bei Gott der Fall sein wird. Ich werde nie vergessen, als ich eines Nachts ,erwachte‘ und mein ganzes Leben in einem Film vorüberlief. Alles war aufgezeichnet. Kein Detail fehlte. Diese Erfahrung hat mein Herz wachgerüttelt. Nach diesem Traum hatte ich keinen Zweifel, dass Gott alles weiss. Es wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen, etwas davon zu leugnen (und ich bezweifle, dass es mir überhaupt möglich gewesen wäre).

Stell dir mal vor: Eines Tages stehst du vor dem grossen weissen Thron und es wird dir bewusst, dass dein ganzes Leben mit allen seinen Gedanken, Worten und Taten offen vor dem Richter liegt wie die aufgeschlagenen Seiten eines Buches. Wirst du dann den Versuch unternehmen es zu leugnen? Oder wirst du dann eher wie der junge Mann in Waldshut bestätigen, dass dieser Gott die Wahrheit gesprochen hat?

Das Richten im biblischen Sinne ist ein barmherziges Aufrichten und Zurechtrichten für die Opfer und Täter. Wie sagte der Pfarrer anlässlich meiner Taufe: „Gott richtet auch auf krummen Wegen gerade.“ Zurechtrichten (Zurechtbringen) bedeutet auch die stärksten Verbiegungen in einem Leben gerade zu richten – zum Heil des Menschen.

Wer kann da noch anhaltend widerstehen, wenn er in dieser Ohnmacht und in diesem Schmerz sanft und entschieden von einer bedingungslosen Liebe gezogen wird? Wer kann dich abhalten, vor Christus auf die Knie zu gehen und freudig zu bekennen, dass er der HERR, dein Gott ist?

HERR ist die deutsche Übersetzung von: „Ich bin da!“ Weil er da ist, weiss und sieht er alles. Es bedeutet aber noch mehr: „Ich bin für dich da!“ Weil er für dich da ist, kann er dich aufrichten und zurechtrichten in allen Dingen.

Wüstenwanderung

Extreme Hitze und Wassermangel kennzeichnen eine Trockenwüste. Der Durst ein ständiger Begleiter. An einem solchen Ort gibt es keine Ablenkung, keine Zerstreuungs- und Spasskultur, dafür gibt es existentiellen Mangel (die Härte der Realität). Die Orientierung und der Durchblick geraten ins Wanken – ein Gefühl, sich mehrmals im Kreis zu drehen. In dieser ungeheuren Weite, wo kein Weg (Ausweg) sich zeigen mag, kann es sehr eng werden und sich elend anfühlen – als wäre man ganz auf sich alleine gestellt.

Wie begegnet uns Gott in einer solchen Wüstenzeit? „Der HERR, dein Gott, hat dein Wandern durch diese grosse Wüste auf sein Herz genommen.“ (5. Mose 2,7) Da ist jemand, der unsere Wüste auf sein Herz nimmt. Die Wüste … auf sein Herz … das Herz als ein Ort der Anteilnahme und der Sehnsucht zu helfen. Stell dir ein Herz vor voller Barm-herz-igkeit: In diesem Herzen liegt dein Herz verborgen geborgen. Er hat dein Herz in sein Herz genommen, darum geschieht alles, was dir geschieht, auch IHM!

In der Einsamkeit der Wüste reift die tiefgehende Einsicht, dass ich mich gar nicht selber versorgen kann – dass ich einen Versorger brauche. Jemanden, der meinen Durst stillt, der mich im verborgenen Felsspalt Wasser entdecken lässt.

Der Name Jesus bedeutet ‚Gott rettet‘. Brauchen wir nicht alle einen Retter in der Hitze der Wüste? Jemanden, der uns an die Quelle des Wassers führt?

Am Jakobsbrunnen begegnet Jesus einer Frau aus Samaria. Bei diesem Gespräch geht es genau um dieses Thema. Jesus sagt dieser dürstenden Frau: „Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Johannes 4,14)

Ein Wasserbrunnen in mir – nicht irgendwo, nicht in der Ferne, sondern in mir! So nah will uns Jesus sein und bleiben – in den Wüstenzeiten und darüber hinaus.

Eine Liebeserklärung …

Aus dem Kirchengesangbuch (6 Strophen):

O lieber Jesu, denk ich dein, strömt Glück in meine Seele ein. Doch meine höchste Freude ist, wenn du, o Jesu, bei mir bist.

Kein Lied so sehr zu Herzen dringt, kein Klang, kein Ton so lieblich klingt, kein Name bringt so reichen Lohn als Jesus Christus Gottes Sohn.

Du tröstest den, der Busse tut, gibst dem, der bittet, neuen Mut. Dich suchen nimmt von uns das Leid, dich finden, welche Seligkeit.

Kein Wort, o Jesu, würdig preist, die Güte, die du uns erweist. Nur wer sich ganz in dich versenkt, verspürt, was deine Liebe schenkt.

O Jesu, der uns Freude bringt, Licht, das uns Gottes Liebe zeigt, die alles Sehnen übersteigt.

Du unser Glück in dieser Zeit, du Sonne unserer Ewigkeit, in dir erstrahlt der Gottheit Schein, lass uns mit dir verherrlicht sein.

Während ich dieses jahrhundertealte Lied auf mich wirken lasse, werde ich an ein Buch erinnert: ,Phänomen Nahtod‘ von Walter Meili (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie). Dort erzählt eine Frau (Betty Eadie) von ihrer Nahtoderfahrung:

„Es war die bedingungsloseste Liebe, die ich je empfunden habe. Als der Mann seine Arme ausbreitete, um mich willkommen zu heissen, ging ich zu ihm, und er hüllte mich vollkommen ein in seine Umarmung. Ich sagte immer und immer wieder: ,Ich bin zu Hause. Ich bin zu Hause. Endlich bin ich zu Hause!‘ Ich fühlte seinen überwältigenden Geist und wusste, dass ich von jeher ein Teil von ihm, ja in der Tat niemals von ihm getrennt gewesen war. Und ich wusste, dass ich es wert war, bei ihm zu sein und ihn zu umarmen. Ich wusste, dass er sich all meiner Sünden und Fehler bewusst war. (…) Ich fragte nicht, wer er sei. Ich wusste, dass er mein Erlöser und Freund und Gott war. Er war Jesus Christus, der mich immer geliebt hatte, selbst als ich dachte, er müsse mich hassen. Er war das Leben selbst, und seine Liebe erfüllte mich mit einer schier grenzenlosen, überströmenden Freude. (…) Mein Leben lang hatte ich ihn gefürchtet, und nun sah ich – wusste ich –, dass Er mein allerbester Freund war. (…) Er ist ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Er ist voll von Liebe.“

Eine Liebeserklärung …

Ich glaube, weil es unmöglich ist …

„Credo, quia impossibile.“ Das sagte Tertullian (der christliche lateinische Schriftsteller, Anfang des 3. Jahrhunderts). „Ich glaube, weil es unmöglich ist, solches selbst auszudenken.“ Er meinte damit, wie Gott Geschichte schreibt mit der Geschichte des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Soweit reicht die religiöse Fantasie nicht.

Gott bleibt – im Vater – verborgener Urgrund. Zugleich aber ist er – im Sohn – die in der Geschichte wahrhaft anwesende unendliche Liebe. Und er bleibt nicht nur im Sohn fixiert, sondern giesst sich selbst – im Heiligen Geist – durch die Geschichte hindurch in die Herzen der Menschen aus. Der Gott, der Vater, Sohn und Geist ist, umfasst schlechthin alles.

Schon mehrmals habe ich mir überlegt: Hätte Gott sein Dasein, seine Liebe mehr zeigen können als auf diese Art? Hätte Gott mehr geben können als seinen Sohn und seinen Heiligen Geist? Ich habe mir bis heute nichts Grösseres ausdenken können. Und weil es so ist, sitze und stehe ich immer wieder staunend und sprachlos vor diesem Geheimnis, das soweit gelüftet wurde, dass jeder Mensch den Duft dieser unendlichen Liebesgeschichte einatmen kann.

Und wenn diese Luft, dieser Duft durch meine Nase in meine Lunge gelangt, dann fängt mein Herz an zu danken. Zu danken für das, was ich nicht denken kann. Zu danken für das, was ich sehen, hören und spüren kann. Zu danken für das, was ich riechen und schmecken kann. Zu danken für das, was ich mitdenken kann, was Gott sich ausgedacht hat. Und wenn ich nur ein ganz kleines Bisschen vom Ganzen verstehe: Es ist genug, damit mein Herz anfängt zu singen und zu frohlocken. Mehr braucht es nicht.

Das grosse Festessen

Jesus erzählt ein Gleichnis. Einmal gab ein Mann ein Festmahl und lud viele Leute ein. Doch sie kamen nicht, sie waren anderweitig beschäftigt. Der Hausherr wurde zornig, weil sein grosses Herz überfloss. Alle sagen ab und entschuldigen sich. Ein tiefer Schmerz für einen grosszügigen Gastgeber. Doch anstatt sich verbittert in sein Haus zurückzuziehen, öffnet er die Tür seines Hauses noch weiter.

Sein Auftrag an seinen Knecht: „Geh schnell hinaus auf die Strassen und Gassen der Stadt und bring die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.“ Und der Knecht ging hinaus, um die einzuladen, die am Rande der Gesellschaft waren und nichts zu bringen hatten als sich selbst. Sie alle kamen! Und es hatte immer noch Platz im Haus.

Was ordnet der Hausbesitzer an? „Geh hinaus auf die Landstrassen und an die Zäune und dränge sie hereinzukommen, damit mein Haus voll wird!“ Ein volles Haus, das wünscht sich der gute Hausherr. Er will, dass jeder freie Platz besetzt ist und jeder in den Genuss seines Mahles kommt. Die Gäste sollen sich freuen und geniessen, auf Kosten des Gastgebers – das ist die Absicht des Hauseigentümers.

Das Gleichnis zeigt unterschiedliche Reaktionen auf die Einladung zum Fest. Für die einen hat der Alltag (Geschäft, Handel und Familie) oberste Priorität. Die Bedeutung des Festes für das eigene Leben ist noch nicht im Bewusstsein der erstgeladenen Gäste – nämlich, dass alles, was sie sind, haben und tun mit den gütigen Händen dieses Gastgebers verknüpft ist. Die zweit- und drittgeladenen lassen sich in die Gemeinschaft der Feiernden führen. Sie gewinnen beim Festmahl das Glück sich selbst zu finden in der Gegenwart des besten Hausherrn, den es gibt.

Wenn Menschen alles verlieren und erst dann alles haben …

In der Sendung ‚Fenster zum Sonntag‘ erzählt Thomas Middelhoff, der ehemals bestbezahlte Managers Deutschlands, vom Alles haben, vom Alles verlieren und vom Alles gewinnen. Die Geschichte wurde in seinem Buch ‚Schuldig‘ veröffentlicht.

In dem Prozess, als ihm immer mehr weggenommen wurde, kommt er zur tiefen Erkenntnis: „Egal, was dir passiert: Gott hält dich immer. Du kannst gar nicht so tief fallen, als Gott dich nicht halten würde.“ Eine Erkenntnis, welche David etwa tausend Jahre vor Christus in einem Gebetslied so ausgedrückt hat: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Beide kommen zum selben Schluss – auch wenn da dreitausend Jahre dazwischen liegen.

Je mehr wir die Kontrolle über unser Leben verlieren, desto stärker nehmen wir wahr, dass wir gehalten werden. Die Angst vor Kontrollverlust, ist die Angst, dass niemand da ist, wenn ich meine Hände loslasse. Thomas und David machen da eine andere Erfahrung: Was immer passiert, wie tief ich falle – ich werde von einem Du aufgefangen und gehalten.

Jesus formuliert es so: „Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es gewinnen.“

Es ist ein Gewinn, weil ich mein Leben nicht mehr selber halten muss und zutiefst erfahre, wie ich gehalten werde. Ich gehe auf im Du, im Gehaltenwerden, im unmissverständlichen Versprechen Gottes: „Ich umgebe dich von allen Seiten und halte meine Hand über dir!“

Da wird aus Angst Geborgenheit, aus Gefangenschaft Freiheit. So werden ,Verlierer‘ zu Gewinner!

Die Letzten werden die Ersten sein

Woher kommt eigentlich dieser Satz, den wir wahrscheinlich alle mehr oder weniger öfters schon zu Ohren bekommen haben.

In der Bibel gibt es ein Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Das Erstaunliche an dieser Geschichte: Alle Arbeiter – unabhängig wie lange und wieviel sie an diesem Tag gearbeitet haben – erhalten denselben Lohn. Ist das nicht ungerecht? Dazu kommt noch, dass am Zahlabend diejenigen zuerst belohnt werden, die zuletzt mit der Arbeit angefangen haben – also die Arbeiter mit lediglich einer Stunde Arbeitszeit. Die Letzten kommen also zuerst – die Letzten werden die Ersten sein.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Ersten, welche den ganzen Tag an der prallen Sonne geschuftet haben, auf die Barrikade gehen. Sie beschweren sich beim Gutsherrn. Und was antwortet dieser gute Herr? Zuerst einmal sagt er ihnen, dass sie genau das bekommen, was sie vereinbart haben – nämlich einen Denar (den üblichen Tageslohn für einen Handwerker). Die Arbeit der Ersten wird gerecht honoriert.

Und dann sagt er weiter, dass er dem Letzten gleich viel geben will wie dem Ersten. Er ist ein guter Herr! Er hat ein Herz für diejenigen, die am diesem Tag am längsten arbeitslos waren, für diejenigen, welche niemand wollte.

Zum Schluss folgen noch zwei einschneidende und entscheidende Fragen des Gutsherrn an die Adresse der Ersten: „Ist es mir etwa nicht erlaubt, mit dem, was mein ist, zu tun, was ich will? Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin?“

Der ursprüngliche Sinn des Gleichnisses ist klar: Jesus möchte die Zuhörer für die nicht berechnende Güte Gottes gewinnen, die letztlich alle ‚zu Ersten‘ machen möchte – unabhängig von allen Verdiensten. Er sprengt einmal mehr den Horizont unseres Gerechtigkeitsdenkens, weil die Gnade immer einen Schritt weiter geht als unsere Vorstellung von ‚gerecht und ungerecht‘.