Das wahre Licht

Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt (Bibel, Johannes 1,9).

Romano Guardini schreibt in seinem Buch ‚Die letzten Dinge‘ von der Leuchtkraft dieses Lichtes und vom Geheimnis der vergebenden, neuschaffenden Gnade. „Gericht bedeutet, dass der Mensch im heiligen Lichte Gottes sich ganz sieht: die Zustände und die Ursachen, das Zufällige und das Wesentliche, das Äussere, Innere und Innerste, das bisher schon Gekannte und das Verborgene, ob es nun bloss zu tief lag, oder vergessen war, oder verdrängt und zugeschüttet wurde – alles. Und er sieht es ohne jeden Schutz. Was sonst unempfindlich macht: Stolz, Eitelkeit, Ablenkung, Gleichgültigkeit – alles das ist weg. Er ist ganz offen, ganz fühlend, ganz gesammelt. Und er will. Er steht auf Seiten der Wahrheit gegen sich selber. Er ist bereit, seinem eigenen Leben, all dem Versäumten, Halben, Wirren darin standzuhalten. In einem geheimnisvollen Leiden stellt das Herz sich der Reue zur Verfügung und überliefert sich so der heiligen Macht des Schöpfergeistes. Daraus wird das Versäumte neu geschenkt. Das Falschgemachte wird in Ordnung gerückt. Das Böse umgelebt und ins Gute hinübergebracht. Nicht äusserlich verbessernd, sondern so, dass alles durch das in der Reue wirkende Geheimnis der umschaffenden Gnade hindurchgeht und neu ersteht.“

Ein solches seelengrundtiefes Verwandlungsgeschehen ist nur möglich, wenn und weil Jesus Christus als das Licht der Welt, jeden Menschen erleuchtet, durchleuchtet und ihm als gerechter Richter und barmherziger Retter begegnet. Diese Begegnung steht unter einem wahrhaft ‚guten Stern‘.

Wenn der Richter ein Retter ist

In der Bibel gibt es ein Buch mit dem Namen ‚Richter‘. Was sind das für Richter? Diese Richter sind Retter. Sie retten aus der Not. Nur so können wir verstehen, wenn es mehrfach im ersten Testament der Bibel heisst: Gott ist ein Richter der Witwen und der Waisen. Der Richter schafft dort Recht, wo es bisher jemandem vorenthalten wurde. Der gute Richter rettet aus der Not. Er richtet, weil er retten will. Die Rettung erfolgt durch das Aufrichten und Geraderichten.  

„Wenn der Richter ein Retter ist“ weiterlesen

Die Unbegreiflichkeit Gottes

Die Unbegreiflichkeit Gottes ist ein Wesensmerkmal Gottes: Wenn ich Gott begreifen könnte, würde er ja in mein Denken hineinpassen. Damit aber wäre er kleiner als ich. Und will ich wirklich an einen Gott glauben, der kleiner ist als ich? Wenn dieser Gott aber grösser ist als ich, dann übersteigt er auch mein Denken und mein Fassungsvermögen – und dann wird er mir auch unbegreiflich bleiben. Vor einem solchen Gott kann ich nur auf die Knie fallen und ihn anbeten. Augustinus, ein grosser Kirchenlehrer im 4./5. Jahrhundert n.Chr. sagt sinngemäss: Wenn du denkst, du hättest Gott begriffen, dann war es nicht Gott.

„Die Unbegreiflichkeit Gottes“ weiterlesen

So spricht Gott sein Ja

«So spricht Gott sein Ja, stirbt unser Nein.» So heisst der Refrain eines Kirchenliedes. Gott gibt uns auf vielfältige Weise sein ‘Ja-Wort’. Ein Ja in guten und schlechten Zeiten. Ein Ja, wenn mir etwas gelungen ist und ein Ja, wenn mir etwas misslungen ist. Ein Ja, wenn mir gar nichts gelungen und gar nichts misslungen ist – dann, wenn ich einfach nur bin. Oder noch früher: Bevor du überhaupt warst im Mutterleib, da warst du schon in den Augen Gottes. Gott hat nicht nur ein Auge auf dich geworfen, sondern beide. Und mit seinen Händen hat er dich kreiert in einer absoluten Einmaligkeit, so dass jeder Vergleich eine Beleidigung wäre.

„So spricht Gott sein Ja“ weiterlesen

Du bist geliebt

Du bist geliebt, längst bevor dich deine Eltern, Bezugspersonen, Freunde, Partner und Kinder geliebt haben. Das ist die grundlegende Wahrheit des Lebens. Das ist die elementare Wahrheit, auf die wir unser Lebenshaus bauen können. Da ist eine Stimme, die zu dir spricht: «Ich habe dich je und je geliebt!» Diese Stimme kann unser Leben verändern und sie relativiert so viele andere Stimmen, die uns tagtäglich und nachtnächtlich begegnen.

„Du bist geliebt“ weiterlesen

Schönheit und Liebe

Der russische Dichter Fjodor M. Dostojewskij war überzeugt, dass die Welt von der Schönheit gerettet wird. In seinem Roman „Der Idiot“ fragt der Atheist Ippolit den Fürsten Myschkin, ob es wahr sei, dass die die Schönheit die Welt erlösen werde. Ippolit hingegen behauptet, dass der Fürst „auf so sinnige Gedanken bloss kommt, weil er verliebt ist“.

„Schönheit und Liebe“ weiterlesen

Angst und Vertrauen

Es gibt extrem viele und gute Gründe Angst zu haben. Fast alles ist unsicher. Die Lösung ist nie: Es gibt keinen Grund Angst zu haben. Vertrauen ist nicht das Gegenteil von Angst. Vertrauen ist die Bereitschaft, die Angst zu ertragen, der Angst nicht auszuweichen. Vertrauen ist die Bereitschaft zur Angst. Vertrauen ist, die Unsicherheit zu akzeptieren. Vertrauen ist ein Leben jenseits mathematischer Berechenbarkeit. Vertrauen bedeutet Schritte tun, bei denen du nicht durchrechnen kannst, was alles daraus folgen wird. Vertrauen ist nicht das Gegenteil von Angst, sondern leben trotz Angst, mit Angst, in Angst, aber im Bewusstsein, dass das Vertrauen, der Mut, die Zuversicht das entscheidend Grössere und Tragende ist.

„Angst und Vertrauen“ weiterlesen

Wenn Veränderung geschieht …

Aus dem Buch von Anthony de Mello, Warum der Vogel singt: „Jahrelang war ich neurotisch. Ich war ängstlich, depressiv und selbstsüchtig. Und jeder sagte mir immer wieder, wie neurotisch ich sei. Ich wollte mich ändern, aber ich brachte es nicht fertig, so sehr ich mich auch bemühte. Was mich am meisten schmerzte, war, dass mein bester Freund mir auch immer wieder sagte, wie neurotisch ich sei. Auch er wiederholte immer wieder, ich sollte mich ändern. Auch ihm pflichtete ich bei. Ich fühlte mich so machtlos und gefangen. Dann sagte er eines Tages: „Ändere dich nicht. Bleib, wie du bist. Es ist wirklich nicht wichtig, ob du dich änderst oder nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es nun einmal.“ Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren: „Ändere dich nicht, ändere dich nicht … ich liebe dich.“ Ich entspannte mich, ich wurde lebendig, und Wunder über Wunder, ich änderte mich! Jetzt weiss ich, dass ich mich nicht wirklich ändern konnte, bis ich jemanden fand, der mich liebte, ob ich mich nun änderte oder nicht … .“

„Wenn Veränderung geschieht …“ weiterlesen

Wenn alles offen liegt …

Der Schriftsteller Heinrich Zschokke (gest. 1848) hatte eine eigentümliche Gabe. Dann und wann, wenn er einem fremden Menschen ins Angesicht sah, enthüllte sich ihm wie durch ein zweites Gesicht die Vergangenheit dieses Menschen. Eines Tages kehrte dieser Mann im Gasthof zum Rebstock in Waldshut ein, wo zwei Fremde sich eben über Eigentümlichkeiten der Schweizer lustig machten. Ein junger Mann, der ihm gegenüber sass, trieb den ausgelassensten Witz. Da erwachte in Zschokke die Gabe des inneren Gesichts, also dass das Leben dieses jungen Mannes an ihm vorüberging. Nun wandte sich Zschokke an ihn mit der Frage, ob er ihm ehrlich antworten werde, wenn er ihm das Geheimste aus seinem Leben mitteilen würde, obwohl er ihn noch niemals gesehen habe. Jener versprach es. Und nun erzählte Zschokke, was er innerlich gesehen hatte und die ganze Tischgesellschaft erfuhr die Geschichte des jungen Kaufmanns, seiner Lehrjahre, seiner kleinen Verirrungen und eine von ihm begangene Verfehlung an der Kasse seines Meisters.

„Wenn alles offen liegt …“ weiterlesen

Wüstenwanderung

Extreme Hitze und Wassermangel kennzeichnen eine Trockenwüste. Der Durst ein ständiger Begleiter. An einem solchen Ort gibt es keine Ablenkung, keine Zerstreuungs- und Spasskultur, dafür gibt es existentiellen Mangel (die Härte der Realität). Die Orientierung und der Durchblick geraten ins Wanken – ein Gefühl, sich mehrmals im Kreis zu drehen. In dieser ungeheuren Weite, wo kein Weg (Ausweg) sich zeigen mag, kann es sehr eng werden und sich elend anfühlen – als wäre man ganz auf sich alleine gestellt.

„Wüstenwanderung“ weiterlesen