Gott hat Lust an dir …

Gott hat Lust an dir, darum bist du! Gott hat dich nicht gemacht, weil er musste, sondern weil er wollte!

Die Lust Gottes ist das, was mich lebendig macht, wegen der Lust Gottes bin ich überhaupt da. Der Wille Gottes, die Lust Gottes an meinem Dasein ist die eigentliche Lebensenergie. Das Empfinden der Lust Gottes an meinem Leben führt mich zur Dankbarkeit, zum Staunen, zur Zuversicht, zum Glauben, zur Selbstannahme.

Wenn ich bete: „Dein Wille geschehe“, dann überlasse ich mich der Lust Gottes. Gott hat Lust an dir, darum bist du! Gott hat Lust an den Menschen, darum sind sie. Gott hat Lust an den Tieren, darum sind sie. Gott hat Lust an den Blumen, darum sind sie. Gott hat Lust an den Früchten, darum sind sie. Gott hat Lust an den … , du darfst den Satz beliebig erweitern und du wirst Gott noch mehr lieben für seine Lust an dem, was er geschaffen hat.

In seiner Lust hat er dich als Original geschaffen – originell, noch nie dagewesen und nie wieder in dieser Originalität erscheinend. Schmeckst du Gottes Lust an dir? Spürst du deinen Wert in Gottes Augen, wenn es dich nur einmal gibt?

„Aber dich gibt‘s nur einmal für mich!“

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“

Was für ein wunderbares, vertrauensvolles Gebet von Jesus unmittelbar vor seinem Hinschied. Den Geist, die innerste, tiefste Verbindung mit Gott, in die Hände des Vaters zu legen. Jesus kennt diese Hände. Wer kennt sie besser als er?! Er wusste, wie liebevoll, tragend und sanft diese Hände sind … welche Geborgenheit sie einschliessen. Jesus nennt Gott Abba. Und es ist kein Zufall, dass Jesus diese ganz und gar neue Anrede wählt. Wie du jemand anredest, verdeutlicht, wie du diese Person siehst und wie du zu ihr stehst.

Abba ist die Kose-Form, die Zärtlichkeitsform von Vater. Es hat nie ein Jude Gott mit Abba angeredet. Das ist viel zu familiär. Das ist sehr intim, sehr vertraut, da kannst du loslassen und dich bedingungslos anvertrauen, weil du weisst, in welche Hände du fällst. „Komm in aller Frei-mut vor Gott!“ Du musst dich nicht verstellen! Du brauchst nicht schüchtern zu sein! Sei unbeschwert! Du kannst Gott so lieben, wie du bist, weil er dich liebt, so wie du bist! Du kannst dich frei und spontan verhalten. Also wenn du zu Gott Abba redest, kannst du ganz dich selber sein. Da musst du niemandem und schon gar nicht ihm etwas vormachen.

Der Grund aller Wirklichkeit ist etwas Zärtliches. Du kannst dich verstanden fühlen. Da kannst du Urvertrauen entwickeln. Also das Wort Abba steht eigentlich schon für alles. Man könnte sagen: Menschen aller Völker aller Kulturen begreift Abba! Dann habt ihr alles begriffen. Im Weltgericht zeigt sich Abba. Alles, was zum christlichen Glauben gehört, ist von Abba her zu verstehen. Das ist der Schlüssel!

Gott ist nie anders, als er sich in Jesus Christus gezeigt hat …

Jesus Christus ist das vollkommene Abbild von Gottes Herrlichkeit! Der unverfälschte Ausdruck seines Wesens. Wer Jesus sieht, sieht Gott!

Philippus (ein Jünger von Jesus) sagt einmal zu Jesus: „Zeige uns den Vater!“ Und Jesus antwortet: „Philippus, schon so lange bin ich bei euch und du hast mich noch nicht erkannt. Wer mich sieht, der sieht den Vater!“

Jesus ist die vollkommene Offenbarung von Gottes Charakter. Gott ist nie anders, als er sich in Jesus Christus geoffenbart und gezeigt hat! Gott hat nicht noch eine andere Seite als Christus im Sinne von: Er kann auch anders. Nein, er war nie anders und wird auch nie anders sein! Deshalb ist die Offenbarung Jesu Christi auch so bedeutungsvoll und entscheidend. Darum haben wir vier Evangelien, damit wir einen möglichst umfassenden Blick auf Jesus bekommen. Das Wissen über Gott geht nur über Jesus. Jesus ist das vollkommene Abbild von Gott! Gott gibt es nicht in mehreren Versionen.

Petrus, Jakobus und Johannes begleiten Jesus auf einen Berg. Dort wird ihnen offenbart, wer Jesus ist. Es erscheinen Mose und Elia. Petrus schlägt vor, für Jesus, Mose und Elia je eine Hütte zu bauen. Doch eine Stimme aus der Wolke sagt: „Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören!“ Nach diesen Worten sind Mose und Elia nicht mehr zu sehen. Es heisst ausdrücklich: „Sie sahen niemand mehr, als Jesus allein.“ Die Jünger Jesu orientieren sich an Jesus allein (solus Christus). Auf ihn sollen sie hören.

Wo also ein Bibeltext oder eine biblische Aussage dem Evangelium von Jesus Christus bzw. der Botschaft und Ethik Jesu nicht entspricht, da behält Jesus Christus Recht und der Bibeltext gerät in das Licht Jesu Christi. In diesem Licht sehen wir das Licht – das Licht, welches die Herrlichkeit Gottes spiegelt!

Wenn sich der Himmel öffnet, dann erscheint Jesus Christus …

Die Erscheinung von Jesus Christus lässt alles andere verblassen. Sie zeigt uns, dass es nur ein Machtzentrum gibt im Himmel und auf Erden (Monismus). Jesus sagt es so am Ende des Matthäus-Evangeliums: „Mir ist gegeben ALLE Macht im Himmel und auf Erden!“ Das vermittelt uns, dass Satan (das Böse) kein eigenständiges Machtzentrum hat. Wer Satan gross macht, Angst verbreitet, der kommt tatsächlich in Teufels Küche. Darum ruft uns Gott durch die Bibel an jedem Tag fürsorglich, einfühlsam und kräftig zu: „Fürchte dich nicht!“ Und Jesus lehrt uns im ‚Unser Vater‘ beten: „Erlöse uns von dem Bösen!“ Von dem Bösen in mir.

Schauen wir, was Paulus schreibt, wenn sich der Himmel öffnet, welche Erscheinung er hat und welche Erkenntnis er dadurch von Jesus Christus und allem andern gewinnt: „Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm wurde alles geschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, ob Throne oder Herrschaften, ob Mächte oder Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Und er ist vor allem und alles hat in ihm seinen Bestand. Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche. ER ist der Ursprung, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es gefiel Gott, seine ganze Fülle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn das All zu versöhnen auf ihn hin, indem er Frieden schuf durch ihn, durch das Blut seines Kreuzes, für alle Wesen, ob auf Erden oder im Himmel.“ Kolosser 1,15-20

Alles ist durch ihn, in ihm und auf ihn zu – alles! Es gibt kein um Christus herum. Er ist die Mitte von allem! Das gibt einen neuen Blick auf ihn und alles um ihn herum! Es ist der Blick von der Grösse Gottes, der unbedingten Liebe, die vor niemandem Halt macht. Nicht einmal vor den Feinden und den Bösen! Wer könnte der Böse sein? Wer könnte dein Feind sein? Wer trachtet nach deinem Leben? Wer meint es nicht gut mit dir? Wer macht dir Angst?

Wer immer dein grösster Feind ist, vor wem du dich auch am meisten fürchtest – Jesus Christus bringt etwas ganz Neues in diese Welt, wenn er spricht: „Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für sie, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Matthäus 5,44-45

Jesus diskriminiert nicht einmal die Feinde und die Bösen! Er grenzt sie nicht aus, sondern nimmt sie mit hinein! Ihnen gehören die Sonne und der Regen genauso. Jesus hat diese Liebe bis zuletzt konsequent gelebt – bis zum bitteren Ende am Kreuz, wo er aus tiefstem Herzensschmerz zu seinem Vater im Himmel betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Lukas 23,34 Er ist auch in innerster und äusserster Bedrängnis den Menschen ganz nah, die nicht glauben. Sogar im Angesicht seiner grössten Feinde ist Jesus seiner (Feindes-)Liebe treu geblieben! Sie sprengt den menschlichen Rahmen, weil sie den Menschen unaufhörlich liebt – über den Tod hinaus!

Deshalb schreibt Paulus an einer anderen Stelle: „Gott hat Jesus Christus auch über alles erhöht und ihm den Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit im Namen Jesu, sich beuge jedes Knie (vor Betroffenheit über diese unfassbare Liebe), all derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und jede Zunge bekenne (freudig und aus tiefstem Herzen), dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters. Philipper 2,6-11.

Wenn du einmal vor Gott stehst, dann erscheint Jesus Christus …

Wenn die Liebe unwiderstehlich wird …

Frau A. erzählte mir neulich in einem berufsbezogenen Kurs. Eine ‚unausstehliche‘ Mitarbeiterin wurde ihr zugeteilt für die Arbeit zu zweit (über einen längeren Zeitraum). Alle anderen haben sich an ihr ‚die Zähne ausgebissen‘. Nun war Frau A. an der Reihe. Sie war dafür bekannt, dass sie mit ihrer offenen, einfühlsamen Art den Zugang zu den schwierigsten und unangenehmsten Menschen fand. So war es auch in diesem Fall. Aus der ‚unausstehlichen‘ Mitarbeiterin wurde eine liebenswürdige, kooperative Arbeitskollegin. Die Anziehungskraft, Veränderungskraft und Unwiderstehlichkeit der Liebe!

Kann man einer persönlichen, echten, ernstnehmenden, werbenden, gewinnenden Liebe auf Augenhöhe widerstehen? Theoretisch ja – praktisch fast nicht vorstellbar. Die Bibel sagt uns, dass Gott die Liebe ist. Wo die Liebe ihrem Wesen nach zur Geltung kommt, da lässt sie Raum – sogar für den schmerzlichen Widerstand, für die Verweigerung. Andererseits gibt es gar nichts Gewinnenderes als die Liebe. Reine Liebe, d. h. göttliche Liebe – als Zuwendungslust und Zuwendungskraft zum geliebten Gegenüber um seines Besten willen – ist letztendlich für das geliebte Gegenüber unwiderstehlich. Aber sie ist das nicht, weil sie zwingt oder unterwirft, sondern weil sie mitfühlend und achtsam auf das Gegenüber eingeht und beharrlich wirbt und gewinnt.

Von Jesus heisst es, dass er das wahre Licht ist, das jeden Menschen erleuchtet, der zur Welt kommt. Vielleicht hast du auch schon gesagt oder gedacht: „Ich habe eine Erleuchtung gehabt!“ Da kannst du ziemlich gar nichts dafür! Denn wäre da nicht das Licht, du hättest Null und gar keine Chance auf Erleuchtung. Die Erleuchtung wird dir geschenkt in das Unwissende, Ungewisse und Dunkle hinein. Eine Erleuchtung von Jesus klärt (macht klar, wer ich bin und wer Gott ist), sie stellt ins ‚richtige Licht‘, sie offenbart eine Liebe, die nicht besiegt (über mich hinweggeht), sondern mich für die Liebe öffnet und gewinnt (aus der Selbstverschlossenheit herauszieht in sein wunderbares, wärmendes und befreiendes Licht). Wenn das geschieht, öffnet sich der Himmel … und dann will ich nur noch eines: Hinein in diesen Himmel!

Wenn der Himmel sich öffnet, ist Gott Mensch geworden …

Der stärkste Beweis von Gottes Liebe ist seine Menschwerdung in Jesus von Nazareth. Gott zum Anfassen nahe! Hier auf dieser Erde steht Gott mit seinem Leben und mit seinem eigenen Leib für eine radikale Barmherzigkeit ein. In seiner Zuwendung, Zuneigung und Verkündigung offenbart er, wie Gott den Menschen zugewandt ist. Obgleich Jesus will, dass alle das Reich Gottes annehmen und aus der Dunkelheit gerettet werden, muss er das Scheitern seiner Absicht erleben – einsam, verlassen, dunkel, gezeichnet von Schmerz und Leid. Am Kreuz hält die Welt den Atem an: Wird nun Gott die Welt, die sie seine Barmherzigkeit nicht angenommen hat, endgültig in den Abgrund stürzen lassen, oder ist seine Barmherzigkeit so gross, dass sie auch diesen Abgrund des menschlichen Neins zu Gott überwindet? Hierin liegt die Heilsbedeutung des Kreuzes, denn vom Kreuz her betet Jesus zum Vater, dass er den Gegnern vergeben möge. Im Scheitern scheitert das Erlösungswerk gerade nicht, sondern offenbart darin den unendlichen Horizont der unbedingten Liebe Gottes auch denen gegenüber, die ihn zum Scheitern bringen: den Feinden, den Tätern, den Sündern und Sünderinnen – und das sind immer wieder auch die Gläubigen selbst. Darum lehrt Jesus seine Jünger beten: „Vater unser im Himmel, … , vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Jesus schliesst in diesem Gebet beide mit ein: Die Täter und die Opfer. Beide sind in seinem Blickfeld, beide sind in seinem Herzensfeld. Zu welchen gehörst du? Seine Barmherzigkeit geht zu den Opfern und zu den Tätern: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Gottes Barmherzigkeit zeigt sich im Erbarmen zu allen! Im Angesicht solcher Zuwendung, Barmherzigkeit und Liebe werde ich sprachlos und mein Herz blüht auf – Gott entgegen!

Wenn der Himmel über dir ist und der Dornbusch brennt …

Die Erde ist randvoll mit Himmel und in jedem gewöhnlichen Busch brennt Gott. Elizabeth Barrett Browning

Gott begegnet Mose in der Wüste beim Schafe hüten – völlig unerwartet, in einem gewöhnlichen Busch – in einem Dornbusch, der Feuer fängt, was damals (bei dieser Hitze) auch nicht aussergewöhnlich gewesen ist. Das Aussergewöhnliche ist: Der Dornbusch brennt, aber er verbrennt nicht. Das weckt die Neugier von Mose und nun ruft Gott aus dem Dornbusch (Gott wohnt in einem gewöhnlichen Dornbusch): „Mose, Mose!“ Direkt und persönlich. Und er stellt sich gleich noch vor: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ Wie beruhigend für Mose. Dieser Gott ist auch der Gott seines Vaters! Das vermittelt Vertrauen und Sicherheit. Mose möchte auch den Namen dieses Gottes kennenlernen („wie ist deine Name?“). Er stellt sich vor mit Jahwe – das ist sein Name. In den griechischen Übersetzungen steht Kyrios und das heisst auf Deutsch HERR. Aber Jahwe kannst du weder in einem Wort ins Griechische noch ins Deutsch übersetzen. Jahwe ist ein Beziehungswort und bedeutet: „Ich bin immer für dich da!“ Das ist volles Evangelium (frohe Botschaft): Die Bedeutung von Jahwe ist nicht autoritär, nicht angsterzeugend, nicht einschüchternd, sondern zuwendungsorientiert! Das Verblüffende auch an Jesus ist seine Zuwendungslust und seine Zuwendungskraft! Und das Typische an Jahwe ist die Zuwendungslust und die Zuwendungskraft. Und sie geht in die Vergangenheit: „Ich bin immer für dich da gewesen!“. Sie geht in die Zukunft: „Ich werde immer für dich da sein!“ Und sie gilt in der Gegenwart: „Ich bin immer für dich da!“ Was für ein Gott!

Anmerkung: Im brennenden Dornbusch begegnete Gott dem Mose, um ihm den Auftrag zu erteilen, das Volk Israel aus seiner Sklaverei in Ägypten zu führen. Wenn du so einen Auftrag erhältst, dann brauchst du die Gewissheit, dass Gott immer für dich da ist!

Wenn der Himmel sich öffnet…

oder wenn Gottes Herz schlägt

Es war einmal ein weiser Rabbi, zu dem kamen viele Menschen, um ihn um Rat zu fragen. Sie kamen mit den unterschiedlichsten Problemen und Anliegen zu ihm. Für alle hatte er ein Wort und er hatte für jeden Menschen einen weisen Rat. Er sprach lange zu ihnen, machte ihnen Mut durch seine Worte, stärkte sie für ihren Weg und am Ende segnete er sie. Mit der Zeit jedoch wurden seine Reden kürzer. Er sprach nur noch wenig, manchmal nur ein einziges Wort – und er segnete sie.

Eines Tages geschah es allerdings, dass er gar nicht mehr sprechen konnte, denn er war stumm geworden. Dennoch kamen alle Leute weiter zu ihm und suchten seine Nähe. Nun, wo er nicht mehr sprechen konnte, hörte er den Menschen einfach zu, die zu ihm kamen und weinten und klagten, seufzten und stöhnten unter der Last ihres Lebens. Sie vertrauten ihm ihre Sorgen, Probleme und Nöte an. Der weise Rabbi schenkte ihnen sein Ohr und hörte ihnen zu, denn er war ein guter Zuhörer. Am Ende segnete er sie.

Eines Tages geschah es, dass seine Ohren taub wurden. Er konnte nicht mehr hören. Aber auch das hinderte die Menschen nicht daran, weiter zu ihm zu kommen. Der weise Rabbi konnte ihnen weder ein Wort mit auf den Weg geben noch ihnen sein Ohr schenken, dennoch kamen die Menschen zu ihm. Was konnte der Rabbi nun noch für sie tun? Was hatte er ihnen zu geben? – Er sah die Menschen an mit seinem gütigen, liebevollen Blick – und er segnete sie.

Eines Tages geschah es, dass seine Augen blind wurden. Auch wenn er die Menschen nicht mehr sehen konnte, kamen sie dennoch weiter zu ihm. Und es kamen sogar immer mehr und sie kamen und kamen. Stumm, taub, blind war er nun. Der weise Rabbi konnte zu den Menschen nicht mehr sprechen, ihnen nicht mehr zuhören und sie nicht mehr ansehen – aber er segnete sie.

Eines Tages konnte er auch nicht mehr segnen. Nun, wo er doch scheinbar nichts mehr zu geben hatte, liessen da die Menschen wohl von ihm ab und suchten nicht mehr seine Nähe? Was hatte der weise Rabbi den Menschen noch zu geben, nun, wo er stumm und taub und blind geworden war und sie nicht einmal mehr segnen konnte? – Die Menschen jedoch kamen und kamen und kamen – und sie legten ihr Ohr an sein Herz.

Frei nacherzählt von Dominikus Lankes Ocarm