Sich verlieben in Gott?

Der Autor, Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller schreibt: Wir können Gott nicht kennenlernen, ohne uns in Gott zu verlieben.

Im Psalm 63 heisst es: „Gott, du bist mein Gott! Ich sehne mich nach dir, dich brauche ich! Wie eine dürre Steppe nach Leben lechzt, so dürste ich, o Gott, nach dir. Deine Liebe bedeutet mir mehr als mein Leben. Ich juble dir zu und preise dich, ich bin glücklich und zufrieden wie bei einem Festessen. Wenn ich in meinem Bett liege, denke ich über dich nach, die ganze Nacht sind meine Gedanken bei dir. Du hast mir geholfen, unter deinem Schutz bin ich geborgen, darum kann ich vor Freude singen. Ich klammere mich an dich, und du hältst mich mit deiner starken Hand.“

Was für ein Liebeslied von David! David ist in Gott verliebt: Er sehnt sich nach ihm, die ganze Nacht denkt er über ihn nach, er klammert sich an ihn. David hat zutiefst erfahren: Mein Gott ist anders als alle Götter und alle Menschen. Auf IHN ist mehr als Verlass!

Wir können Gott nicht kennenlernen, ohne uns in ihn zu verlieben. Oder anders formuliert: Wenn wir Gott kennenlernen, verlieben wir uns in ihn. Weshalb? Weil Gott die Liebe höchst persönlich ist und er uns deshalb in unbedingter Liebe begegnet. Gott will nicht anders, als uns in Liebe begegnen.

Ich erinnere mich an eine Nacht, während ich schlief und sich trotzdem mein Bewusstsein meldete. Es war mir, als fühlte ich Gottes Zärtlichkeit; es war mir, als bekäme ich soeben die grösste Anerkennung, die ich je in meinem Leben erhalten habe. Sie war bedingungslos. Sie knüpfte nicht an meine Leistung, auch nicht an meinen Glauben, ‚einfach‘ an meine Person … sie schmiegte sich an mich. Sie machte einmal mehr den ersten Schritt. Ich fühlte mich zutiefst geliebt und konnte nur staunen … über die Liebe, die mich zu einem Geliebten und Verliebten macht.

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