Wenn Veränderung geschieht …

Aus dem Buch von Anthony de Mello, Warum der Vogel singt: „Jahrelang war ich neurotisch. Ich war ängstlich, depressiv und selbstsüchtig. Und jeder sagte mir immer wieder, wie neurotisch ich sei. Ich wollte mich ändern, aber ich brachte es nicht fertig, so sehr ich mich auch bemühte. Was mich am meisten schmerzte, war, dass mein bester Freund mir auch immer wieder sagte, wie neurotisch ich sei. Auch er wiederholte immer wieder, ich sollte mich ändern. Auch ihm pflichtete ich bei. Ich fühlte mich so machtlos und gefangen. Dann sagte er eines Tages: „Ändere dich nicht. Bleib, wie du bist. Es ist wirklich nicht wichtig, ob du dich änderst oder nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es nun einmal.“ Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren: „Ändere dich nicht, ändere dich nicht … ich liebe dich.“ Ich entspannte mich, ich wurde lebendig, und Wunder über Wunder, ich änderte mich! Jetzt weiss ich, dass ich mich nicht wirklich ändern konnte, bis ich jemanden fand, der mich liebte, ob ich mich nun änderte oder nicht … .“

Die Liebe verändert, weil sie etwas im Herzen weckt, was selbst Liebe ist. Liebe ist Begegnung zwischen einem Liebenden und einem Geliebten.

Karin Seethaler schreibt dazu in ihrem Buch ‚Die Kraft der Kontemplation. In der Stille Heilung finden.‘ © Echter Verlag, Würzburg, 4. Auflage 2019

„In der Beziehung zu Gott geht es nicht um eine psychologische Defizitbeseitigung oder darum, dass ich es schaffe, mich selbst zu verändern, um ein besserer Mensch zu werden. Es geht um die Erfahrung, dass ich so, wie ich bin, bereits jetzt und unabhängig von meinem aktuellen Leistungsvermögen und meiner augenblicklichen Befindlichkeit, von Gott bejaht, angenommen und zutiefst geliebt bin. Indem ich mich Gott zuwende, so wie ich bin, vertraue ich mich bereits dieser Zusage Gottes an, auch wenn es im Unbewussten noch Blockaden gibt, die es mir erschweren zu glauben, dass Gott mich liebt, so wie ich bin, mit all meinen Schattenseiten. Die ersehnte Wandlung in mir geschieht, indem ich all das da sein lasse, was ich gerne am mir ändern würde. Ich wende mich also zu Gott, so wie ich bin.“

Ich wende mich zu Gott, so wie ich bin und lasse mich von ihm wandeln. Der Geliebte wendet sich an den Liebenden. Das ist kein Kraftakt, sondern ein leises, sanftes Beziehungsgeschehen. Es geschieht etwas an mir und mit mir, das ich nicht selber produzieren kann und muss. Auch der Zeitpunkt liegt nicht in meinen Händen, wann und wie etwas geschieht. Doch wenn es geschieht, dann weiss ich, dass etwas Wunderbares an mir geschehen ist.

Eine Antwort auf „Wenn Veränderung geschieht …“

  1. Eine der wohl bekanntesten Aussagen aus der Bibel ist wohl „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Sie ist mir auch in den Sinn gekommen, als ich deinen aktuellsten Blog begonnen habe zu lesen von: sich selber anzunehmen, ja sogar zu lieben, um Veränderung möglich zu machen. Ich meine hier selbstverständlich nicht die Selbstverliebtheit, sondern die viel stärkere gesunde Kraft der Liebe, die mir Vertrauen schenkt, die mir Sicherheit gibt, meinen Weg zu gehen, mich zu entfalten, oder wie du es nennst: Veränderung zuzulassen.

    Was muss ich machen, damit mich andere mögen oder gern haben? – Wunderbar ist doch, dass Gott mich immer liebt, egal, wie ich bin und wo im Leben ich gerade (fest)stecke.
    Dankbar bin ich, im Leben solche Menschen zu kennen, die mir dieses Gefühl schenken, damit ich eine Ahnung habe, was diese Gottesliebe bedeuten könnte.

    Geliebt zu werden – es passiert einfach, ohne mein Zutun.

    Erst mit der Liebe erwacht mein Herz – lebe ich.

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