Katharina von Siena, eine italienische Kirchenlehrerin im 14. Jh., war so fasziniert von der Liebe Gottes, dass sie folgendes Gebet gesprochen hat, welches wir heute im Kirchengesang finden. Es trägt den eigenartigen Titel: Du Narr aus Liebe.
‘Gott, du Feuer und Abgrund der Liebe, du Narr aus Liebe, brauchst du denn dein Geschöpf? Du benimmst dich, als ob du ohne dein Geschöpf nicht mehr leben könntest. Dabei bist du doch das Leben, von dem alles Leben hat. Warum also bist du deinem Geschöpf so närrisch zugetan?’
Närrisch kann man übersetzen mit ‘übermässig und unvernünftig’. Als würde Katharina sagen und Gott fragen: Wie kannst du den Menschen nur so sehr, so übermässig und unvernünftig lieben? Was hast du dir dabei gedacht? Was ist dein Grund? Was haben wir Menschen getan, dass du das tust?
Die Antwort liegt darin, dass wir eben nichts getan haben, sondern dass Gott getan hat. Er hat uns geschaffen, er hat uns gewollt, er hat uns zu seinem Ebenbild gemacht, ihm sind wir als Original ähnlich, darum kann er nicht anders als seine Geschöpfe lieben, wie eine liebende Mutter und ein liebender Vater nicht anders können, als ihre Kinder lieben … in jedem Fall, bedingungslos, übermässig oder eben närrisch.
