Er-lebt

Wir können etwas Wunderbares hören, ja sogar davon erzählen, ohne es erlebt zu haben. Das Erleben ist die höchste und zugleich tiefste Wandlungsstufe.  

Ein Beispiel dazu erzählt uns Monika Renz in ihrem Buch: Meine Hoffnung lass ich mir nicht nehmen.

‘Gott ist hinterhältig, sonst gäbe es nicht so viel Leid in der Welt, und ich hätte nicht diesen Krebs’. Dieser Worte gaben die Einstellung einer evangelischen Katechetin wieder. Ihr Schlüsselerlebnis hatte sie an jenem Tag, an dem sie ihr Augenlicht fast vollständig verlor: In dieser Situation tat es ihr gut, an Händen und Bauch berührt zu werden. Sie spürte, wie das Bett und der Boden sie trugen. Wie ich beiläufig sagte: ‘Vielleicht ist es auch Gott, der Sie trägt’, quollen Tränen hinter ihren Augenlidern hervor und sie antwortete leise: ‘Ja’. Ich fuhr fort: ‘Vielleicht ist Gott, auch wenn Sie fast blind sind, unsichtbar da wie eine grosse tragende Hand, wie es bei Jesaja beschrieben ist: eingezeichnet in seine Hände.’ Sie atmete tief. Dann Musik, Stille. Plötzlich brach es aus ihr heraus: ‘Es ist unbeschreibbar, Gott trägt mich wirklich! Unglaublich. Immer hat man uns Theorien von Gott erzählt. Und ich selbst habe jahrelang so von Gott geredet. Dann kam der Krebs und das Gefühl, alles sei Betrug. Aber jetzt habe ich ihn erlebt.’

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