Das rationalistische Modell, wonach wir bekommen, was wir verdienen, sitzt oft tief in unseren Knochen. In diesem Weltbild bleibt jedoch kein Raum für die Gnade. Es hat nichts gemeinsam mit der Liebe Gottes, die nichts mit Plus- und Minuspunkten zu tun hat.
Im Plus-/Minussystem wissen wir, dass wir nicht um unserer selbst willen geliebt werden, sondern für das, was wir tun. Und sobald wir es nicht schaffen, das Erwartete umzusetzen, werden wir nicht mehr geliebt. Doch in diesem Fall handelt es sich per Definition nicht um Liebe. In diesem System ist es nahezu unmöglich, Gott zu lieben und ihm zu vertrauen.
Eine achtsame, anhaltende Zuwendung, ein Wahrnehmen von Glück unabhängig einer Leistung, also die Erfahrung von tiefer Zufriedenheit inmitten von ‘Ungelöstheiten’ helfen die emotionalen Barrieren abzubauen und uns in die Lage zu versetzen, die Gemeinschaft mit einem unbedingt wohlwollenden Gott zu erfahren, uns daran zu erfreuen und auf diese Weise Gott zu lieben.
Die gute Nachricht ist, dass sich immer wieder Menschen in Gott verlieben, vor allem, wenn sie erkannt haben, dass Gott sie liebte, als sie so gar nicht liebenswert waren, dass Gott ihnen vertraute, als sie sich selbst kein Vertrauen schenkten, und dass Gott ihnen vergab, als ihnen niemand anders vergeben wollte. Diese Liebesgeschichten entstehen aus der Feder der Gnade.
